Von Umwegen, Geistesblitzen und dem Geschenk, Gemeinde zu gestalten -
Fabian Woizeschke ist der neue Pfarrer in der Gemeinde Niederweimar 

 

Eigentlich hatte er zunächst einen ganz anderen beruflichen Weg einschlagen wollen, aber die Theologie hat ihn nicht losgelassen. Nun ist Fabian Woizeschke als neuer Gemeindepfarrer in Niederweimar angekommen und freut sich auf die Arbeit, die schon immer sein Ziel gewesen ist, nämlich die Arbeit mit Menschen. Am Sonntag, den 04. September hatte er seinen offiziellen Einführungsgottesdienst, in dem es darum ging, sich auf das Wagnis einzulassen, Gottes Spuren zu folgen.

 

Was Spuren angeht, hat es Fabian Woizeschke über Umwege ins Pfarramt verschlagen, sagt er selbst. Nach seinem Abitur hat der 32-Jährige Sonderpädagogik in Ludwigsburg studiert – und nach der Zwischenprüfung gemerkt, dass es ihn im Herzen woanders hinzieht. Er hatte während des Studiums in Ludwigsburg einen „Crashkurs“ in Sachen Theologie und darüber Kontakt zum Verein „Worthaus“ bekommen. Der ist darum bemüht, die Inhalte der akademischen Theologie einem breiten Publikum bekannt und verständlich zu machen. Danach fiel die Entscheidung, Pfarrer zu werden, aus dem Bauch heraus, wie er bei seiner Einführung erzählte.

 

„Ich war zu Besuch bei der Oma einer Freundin im hintersten Schwabenland, irgendwo bei Tuttlingen, Handynetz Fehlanzeige“, erinnert er sich. Da saßen sie beim Kaffeetrinken, bei Blümchenporzellan und Donauwelle und lauschten Geschichten von früher, als ihm der Gedanke durch den Kopf schoss und nicht mehr losließ. Nächster Halt: Heidelberg – „der Beginn einer langen Reise“. Denn durchs Studium habe er sich ordentlich durchkämpfen müssen, gesteht Fabian Woizeschke: „Mal mehr, mal weniger überzeugt, dass es klappt“.

 

Was ihn durchgetragen hat, das seien der Glaube und die praktische Arbeit gewesen. In Heidelberg war er vor allem bereits in der Jugendarbeit aktiv, die ihm jetzt auch noch besonders am Herzen liegt. Zum Vikariat kam der gebürtige Nordhesse dann nach Kirchhain. „Da habe ich gewissermaßen Volkskirche erlebt – eine sehr „solide“ Gemeinde, in der ich viel gelernt habe“, erklärt er. Zum Lernen gezwungen hat ihn und seine Kolleginnen und Kollegen in dieser Zeit zudem Corona – „das hat alles zerrüttet und neu sortiert“.

 

„Die Vereinzelung durch Corona hat alle Gemeinschaften unserer Gesellschaft bis in die Grundfesten erschüttert“, sagt Woizeschke. Die neuen Wege, wie zum Beispiel über das Internet Verbindungen und Möglichkeiten der Zusammenkunft zu schaffen, sieht er als große Bereicherung für das Kirchenleben, die er mit in seine Arbeit nehmen möchte. Er plant unter anderem eine Neuausrichtung der Homepage und einen Instagram-Kanal für die Kirchengemeinde. „Ich wurde vom Kirchenvorstand und von der Gemeinde sehr herzlich aufgenommen und erlebe viele Menschen, die offen sind für neue Ideen“, sagt Fabian Woizeschke.

 

Die Offenheit für Neues, flexibel auf sich verändernde Situationen zu reagieren und auf Zuruf zu arbeiten – das haben ihm die vergangenen Monate beigebracht, in denen er eine Vertretungsstelle innehatte und schwerpunktmäßig an der Lutherischen Pfarrkirche in Marburg gearbeitet hat. Die Fähigkeit, mit den verschiedensten Menschen auszukommen, hat aber bereits seine Schulzeit gefördert. Seine Oberstufe hat er in einem Internat verbracht – 120 Menschen auf engstem Raum, mit denen man sich arrangieren muss, wie er sagt, das hat ihn geprägt. „Unterschiedlichkeit auszuhalten – darum geht es auch in einer Gemeinde“, erklärt Woizeschke. „Und das ist etwas, dem wir sonst in unserer Gesellschaft meist ganz gut aus dem Weg gehen können, das sind wir gar nicht mehr gewohnt.“

 

Die besondere Herausforderung in Niederweimar sieht er darin, die Ortsidentität auch für die Gemeinde zu fördern. Da ist einerseits die enge Anbindung an die Stadt Marburg, andererseits aber eben auch der dörfliche Charakter des Ortes. Mental angekommen ist er schon, im Pfarrhaus ist indes noch einiges zu tun, wie er erzählt. Zusammen mit seiner Verlobten, die ihr Vikariat am Richtsberg in Marburg absolviert, fange er an, sich einzurichten. Erst zwei Tage vor seinem offiziellen Einführungsgottesdienst sind die beiden eingezogen.

 

 

Der Gottesdienst am Sonntag, den 4. September war nicht nur für ihn gewissermaßen die erste offizielle Amtshandlung – der neue Dekan Dr. Burkhard von Dörnberg, der die Einführung vornahm, hatte sein Amt ebenfalls gerade erst angetreten. Das Thema, was mit einem passiert, wenn Gott einen auf den Weg bringt, war für diesen Tag also in mehrfacher Hinsicht passend. Dazu sprach Woizeschke auch über das Berufungserlebnis des Apostels Paulus. Und darüber dass, nachdem einen so ein „Geistesblitz Gottes“ trifft, nicht nur alles wie am Schnürchen läuft, sondern dass man mit ordentlich Gegenwind zu kämpfen haben kann. Der Auftrag: seinem Ruf trotzdem treu bleiben. Das hat Fabian Woizeschke getan. Jetzt tatsächlich Pfarrer zu sein, Gemeinde gestalten zu dürfen: „Ich bin manchmal selbst noch überrascht, aber ich freue mich sehr und sehe es als ein Geschenk“. 

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