Vom Heimkommen und Aufbrechen -
Matti Fischer tritt sein Amt in der Elisabethkirche an


Ein bisschen ist es ein Heimkommen, ein bisschen aber auch ein Aufbrechen:

Matti Fischer kehrt nach Marburg zurück, wo er schon einmal gelebt, gearbeitet und von Neuem studiert hat – nun als Pfarrer in der Elisabethkirchengemeinde. Von seiner schleswig-holsteinischen Heimat aus ist er geografisch über Gießen, Marburg, Fulda und Helsinki wieder hier gelandet. Einen inhaltlichen „Umweg“ hat er dabei über das Theater genommen. Neues zu wagen kennt er also von seinem ganz persönlichen Lebensweg. Und das möchte er auch in seiner Arbeit an der Elisabethkirche.


Älteste gotische Kirche Deutschlands, Pilgerstätte, Stadtheilige – mehr Tradition geht eigentlich nicht. Dass man genau die aber mit Innovation verbinden kann und sollte, ist die Überzeugung von Matti Fischer. Wobei ihm dieser Begriff nicht wirklich gut gefällt – „Reformation“ sei eine treffendere Bezeichnung, auch in Anlehnung an die – da sind wir wieder, Tradition. „Ich bin zum Beispiel ein Freund des klassischen evangelischen Gottesdienstes“, sagt der neue Pfarrer an der Elisabethkirche. „Aber das heißt noch lange nicht, dass der steif ablaufen muss, man kann ihn freudig und schön gestalten, man kann viel ausprobieren.“


Es geht ihm nicht darum, Alternativprogramme zu schaffen, sondern den vorhandenen Raum für möglichst vieles zu nutzen. Und Raum ist buchstäblich jede Menge in der altehrwürdigen Kirche, in der er seinen Dienst angetreten hat – für ihn auch ein gewisser „Freiraum“. Gottesdienste kann er sich da auch zum Beispiel ohne Bestuhlung vorstellen, in buchstäblich neuen Formen. Vor dem Hintergrund seines ersten Berufs ist er natürlich auch an der Verknüpfung von Kirche und Kunst interessiert – und motiviert, „andere ästhetische Mittel“ einzubeziehen, wie er es formuliert.
Es funktioniere heute nicht mehr einfach nur nach den alten Rezepten von früher, glaubt er – und freut sich darüber, welche Möglichkeiten er an der Elisabethkirche vorfindet, in einer „sehr kraftvollen Gemeinde“, wie er sagt. „Es ist faszinierend, was es hier alles gibt.“ Zunächst hatte er Theaterwissenschaften in Gießen studiert, in Marburg im „Theater neben dem Turm“ gearbeitet – und dann entschieden, einen ganz anderen Weg zu gehen, nämlich in die Theologie, ins Pfarramt. „Ich hatte den Wunsch, diesen Beruf zu ergreifen, weil ich gern mit Menschen in allen Lebenslagen zu tun haben wollte“, erklärt der 49-Jährige. „Das ist eine tolle Aufgabe, ein toller Job.“


Das empfindet er auch und gerade in einer Zeit, in der Kirche nicht mehr wie früher selbstverständlich sei. Viele Menschen erleben die Umstrukturierungen als schmerzhaft, aber Matti Fischer sieht Veränderungen nicht als etwas, vor dem man Angst haben müsse. Für ihn und seine Familie hat es bereits viele Veränderungen gegeben. Nach seiner Theaterzeit wurde an dem Tag, an dem er mit 27 sein theologisches Studium begonnen hat, sein zweiter Sohn geboren. Inzwischen hat er drei Jungs, 23, 20 und 12 Jahre alt. Sein Vikariat hat Fischer von 2007 bis 2009 in Bottendorf und Willersdorf absolviert und danach sein erstes Pfarramt in der Lutherkirchengemeinde in Fulda übernommen – als Nachfolger von Oliver Henke, der damals nach Marburg in die Markusgemeinde kam.


Sieben Jahre später zog die Familie nach Finnland – Matti Fischer wurde Pfarrer der Deutschen Im Gemeinde in Helsinki. Und also „zurück“ nach Marburg: Das sei ein Heimkommen, aber auch ein Aufbrechen, sagt Matti Fischer. Eines, auf das er sich sehr freut, allein schon aufgrund des Gotteshauses: „Gottesdienst in so einer Kirche – das ist der Hammer“. Die heilige Elisabeth, deren Namen dieses Gotteshaus trägt, stellt für ihn eine Herausforderung dar, wie er erzählt. „Es geht darum, diese diakonische Tradition wieder wachzurufen, nun aber im Zusammenspiel mit ganz vielen Partnern in der Gemeinde und in der Stadt“, so der Pfarrer. Er setzt auf Kooperation und Zusammenarbeit und sieht sich und die Kirche dabei in einer neuen Rolle.


In seiner Freizeit weiß er ebenfalls einen gewissen Freiraum zu schätzen – einmal in der Natur, wo er zum Beispiel auch sehr gern mit dem Kajak aufs Wasser geht, und einmal in der Musik, an der Gitarre oder am Klavier. Offiziell in sein neues Amt eingeführt wurde Matti Fischer durch den neuen Dekan des Kirchenkreises Marburg Dr. Burkhard von Dörnberg in einem Gottesdienst am Abend des 11. September in der Elisabethkirche. Im Gottesdienst formulierte Fischer auch noch einmal seine Wünsche für die Zukunft der Kirche – sowohl die der Elisabethkirche als auch die der Kirche allgemein: „Ich wünsche mir eine Kirche, die sich nicht um ihre Zahlen, sondern um ihre Seele sorgt.“ Die Elisabethkirche bekommt also einen Seelsorger im besten Sinne.



Artikel von Nadja Schwarzwäller

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